Deutsch-Niederländischer Transit

Wie in Selfkant die Nachkriegszeit zu Ende geht

Van Hans-Jürgen Deglow

Im Büro des Gemeindeverwalters hing ein Porträt der niederl. Königin, der Gulden war offizielles Zahlungsmittel, und in den Pässen der deutschen Bevölkerung war die Staatsangehörigkeit so umschrieben: "Wordt behandeld als Nederlander". Die älteren Bürger von Selfkant (Kreis Heinsberg) erinnern sich noch gut an die Jahre, in denen sie unter niederländischer Verwaltung standen. Zwar fiel Selfkant 1963 wieder an Deutschland, doch jetzt erst wird ein Schlußstrich gezogen unter ein Kuriosum europäischer Geschichte. Ein Grenzvertrag, der am Montag in Venlo unterzeichnet wird, schlägt eine Straße, die seit mehr als 40 Jahren durch Selfkant führt, der Bundesrepublik zu.

Das Nachkriegsrelikt war bislang nicht an das NRW-Strassennetz angeschlossen. Dir 1959 gebaute Straße durchschneidet die 9.500 Einwohner zählende Gemeinde Selfkant.

Als Transitstrasse sollte die 8,5 km lange Trasse die niederl. Gemeinden Koningsbosch und Brunssum über das deutsche Mandatsgebiet hinweg verbinden. Für die Niederländer hat die Straße große Vorteile, verkürzt sie doch die Fahrtzeit von Roermond im Norden nach Aachen, da der Selfkant wie eine Halbinsel ins niederl. Staatsgebiet hineinragt.

Auf Grund niederländischer Gebietsforderungen als Entschädigung für Kriegsschäden war Selfkant im Jahre 1949 unter niederländische Auftragsverwaltung gestellt worden - oder, wie viele Selfkanter es sehen, annektiert worden. Anfang der 60er Jahre wurde festgelegt, daß die Niederlande sieben Über- und Unterführungen anlegten, damit der niederländische Verkehr ohne Grenzkontrollen durch den wieder deutschen Selfkant rollen und gleichzeitig die Selfkanter von einem Dorf ins nächste fahren konnten.

Damit verbundene Probleme werden nun gelöst. So waren bisher die Holländer für die Verkehrssicherheit zuständig. Bei Unfällen aber waren deutsche Stellen für Aufnahme und Rettung verantwortlich. Polizei und Feuerwehr konnten nur über zeitraubende Umwege - nämlich über niederländisches Gebiet - zum Unfallort gelangen.

Bald sollen Zufahrten gebaut werden, damit die Straße auch von Selfkant aus direkt anzusteuern ist.

Für Willi Otten, Bürgermeister der westlichsten Gemeinde Deutschlands, Grund zum Aufatmen: "Das war doch ein Kuriosum, das nicht mehr Nach Europa paßte."

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www.grenzen.150m.com

Zeitungsartikel aus einer Kölner Zeitung aus 2001. Leider ist nicht bekannt, aus welcher Tageszeitung der Artikel stammt, daher leider keine Quellenangabe.